Thomas und der MotoCross Sport ~ oder Minimaler Zeit- & maximale Geldaufwand

Angefangen hat alles irgendwann in den Siebzigern.
Meine Eltern schleppten mich nach Doug-boy-city, die Geisterstadt der Alliierten in Berlin. Hier fanden damals Veranstaltungen der BAAA (BritishAmericanAutomobilAsociation) im Moto- und Autocross statt.
Wow….es war laut…. es war dreckig…. es war sehr geil … das war genau das richtig für mich.
Ich gängelte meine Eltern, aber, nein, nein, nein, zu jung, zu teuer, zu gefährlich, zu … na ja.
Es sollte eben nicht sein..
Mit 16 Jahren kaufte ich mir endlich ein Motorrad, es wurde eine Suzuki TS50ER, ein Wahnsinnsgerät, ich konnte damit doch schon den einen oder anderen Bürgersteig erklimmen.

Aus der kleinen Suzuki wurde eine DT80MX, dann irgendwann eine XL600R. Schon besser. Sie reichte für einen Wheely auf dem Ku-damm. Nun mangelte es noch an Gelegenheit zum Fahren, den Berlin war ummauert. Schnell war die Begeisterung dahin, Feldwege im Grunewald waren nicht so mein Revier. Ich gab einfach auf, ließ das Motorrad fahren ganz.
Wirklich ganz, nein…..
Ein paar Jahre später, genau genommen 20, kaufte sich meine Freundin eine KTM- 620er Supermoto. Selbstverständlich konnte ich das nicht auf mir sitzen lassen. Was tun…. Das gleiche Motorrad ?… Selbstredend NEIN.
Ich kaufte eine MotoX und machte Bekanntschaft mit einer Husaberg. Die Marke kannte ich nicht. Hörte sich aber sehr exotisch an. Das reizte mich, deshalb musste es so eine sein (zugegeben, eine fast schon weibische Entscheidung )
Das „Ding“ wurde aus der Heide geholt, gebraucht, oder besser verbraucht.
es fuhr auch,…. irgendwie…. wenn sie mal ansprang…. oder nicht in der Werkstatt war (übrigens der Lieblingsort meiner Husaberg), allerdings brachte sie mich kein einziges mal wieder nach Hause, ohne meine Geduld oder meinen Geldbeutel zu strapazieren…ich erinnere mich an einen Kolbenfresser während einer Ausfahrt mit meiner Freundin, bei der ich knapp vor einem verwesenden Reh im Graben zum stehen kam…

Ein anderes Mal sollte sie in Wietstock (südl. Berlin) zum Einsatz kommen. Hier fand ein 3h-Enduro statt. Ich wollte einfach mal bei so einer Veranstaltung dabei sein. Mit Reparaturunterbrechung auf einem Feldweg kam ich an. Ich lernte die ersten Leute kennen. So zum Beispiel Fischi. Der hatte auch eine Husaberg. Ich wollte mein Leid klagen, ich konnte ja auf Verständnis und Mitleid hoffen. Wer Fischi kennt, weiß dass das eine falsche Annahme war. Natürlich bin ich nicht gestartet….die Feder des Vergasers geriet zwischen Schieber und das Gehäuse, das ist schon eine Leistung.
Aber dann…ein weiteres Mal Wietstock:
Euphorisch, dass ich es bis zur Strecke geschafft hatte, fuhr ich nach der ersten Runde schön von rechts quer über die strecke links ins Fahrerlager.
Dreisterweise kam von hinten einer mit völlig überhöhter Geschwindigkeit… , der machte sich dann anschließend im Fahrerlager (berechtigter weise) lautstark Luft.
Die ersten Kontakte waren also geknüpft,  das war ja leicht

Es folgten noch ein zwei Touren dann war ich infiziert. Jäh unterbrochen wurde das ganze durch den Diebstahl der Berg im Mai. Bis die Versicherungen zahlten war die Saison um.
Ich schlich, zur Befriedigung der Sucht, und, um mein zu erwartendes Geld möglichst schnell wieder los zu werden, ständig bei meinen Local-Dealer rum der mir irgendwann anbot ne Husky probe zu fahren, (Probefahrt hieß hier: er stellte mir das Motorrad EINEN TAG LANG in Wietstock zur Verfügung !!!!!) gesagt getan…. Nach ein Paar Runde war ich Feuer und Flamme, sie gefiel mir. Wenige Tage später war ich stolzer Besitzer einer Husqvarna TE250

Richtige Entscheidung ! Die 250er machte selbst mir als Anfänger spaß und brachte relativ schnell für mich messbare Erfolge.

Eigentlich ging es jetzt erst los.
Ich schloss mich einigen Fahrern an, die ich in Wietstock kennen gelernt hatte.
Gemeinsam befuhren wir einige Strecken im Berliner Umland, die Wochenenden waren stets geprägt von Dreck und Staub, und einem breiten Grinsen im Gesicht.

Nach dem ich ja nun über das richtige Equipment verfügte, und „Erfahrung“ gesammelt hatte, musste ein Rennen her. Von Fischi geladen, ging ich also zur einer der ersten Fahrerbesprechung. (das Treffen nannte sich so, diente aber damals wohl nur als Alibi, um auch während der Woche über den Sport sinnieren zu können, und natürlich die Bierverträglichkeit zu testen.) Wir redeten uns in Fahrt. Ergebnis hiervon war das erste Rennen. Nun gab es kein Zurück. Meine Große Klappe hatte gesiegt.
Und, werde ich doch noch Rennfahrer? Das war spannend… voll aufregend….
Wie ich mich und meine Umwelt (vor allem meine Umwelt und Mitbürger ) damit verrückt machte überspringe ich mal, das könnt ihr selbst testen !!!!

Das Rennen: 4-Stunden-Enduro Tätzschwitz

Zum ersten Rennen wurden weder kosten noch Mühen gescheut, um daraus ein unvergessliches Erlebnis zu machen.
Es wurde Wohnmobil gemietet, die Anreise erfolgte am Freitagabend, während des Grillens die Klappe aufreisen, mir selbst Mut zureden. Aber um sicher zu gehen noch Mut antrinken….

Dann war die Nacht vorbei,
Nach der Prozedur des Anmeldens, technischer Abnahme und Startnummern anbringen
(ist das alles aufregend!!! Ich muss pinkeln!!!) stand ich um 10:00 Uhr am Start.
Mir war übel, war`s die Aufregung? War `s das letzte Bier? Keine Zeit nachzudenken,
Motoren an und los…. Dreck flog mir um die Ohren. Die erste Kurve, bloß Keinen vorbeilassen. Der erste Hügel, uups…. lag es an dem Regen der vergangenen Tage? Die Strecke schien keine mehr zu sein. Egal, ich muss da durch, bei den anderen geht es ja auch.

Naja, der letzte frisst Dreck. Abreißvisier an der Brille, die Lösung. Wenn nur nicht die Aufregung wäre. Mist, gleich alle Folien mit einem Ruck entfernt… und noch 4 Stunden vor mir.
Die ersten Wasserlöcher kamen in Sicht. Gas auf und durch. Huiii wie die Brühe spritz, äääh wie es mir am Körper entlang läuft. Wer konnte ahnen, ….das es im November soooo kalt ist,
aber nach der dritten Runde merkt man’s nicht mehr.
Was ich bisher gesehen und gehört hatte, wurde übertroffen. Bäume standen so eng, das kaum Platz für mich auf dem Motorrad war, egal,.. durch… Die erste Steilauffahrt. Das geht nicht. Vorausfahrende machten es vor. Immer schön am Gas bleiben. Meine eigenen Worte vom Vorabend klangen noch in meinen Ohren.
Und heute ? Und natürlich waren alle anderen schneller. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Alles weg, nur ich, das Motorrad und die Strecke. Aufgeben, der Gedanke kam mir oft. Aber die Husky schieben? Ich trage doch keine rosa Rüschchenschlüpfer. Nein, irgendwie geht es weiter.
Nach drei der vier Stunden war für mich das Rennen durch einen technischen Defekt beendet:
Es gibt einen Gott!
Ich war komplett fertig. Dennoch, es war ein tolles Gefühl,… endlich Rennfahrer.